Dienstag, 17. Januar 2012

Bloggen - ganz ohne ungesunden Stress
Mal ein paar Minuten zwischendurch arbeiten
- auf der Couch und unterwegs mit dem Mini-Computer

Vergnügt und entspannt bei der Arbeit auf der Couch: 

chronischLEBEN-Blogger Norbert Jos Maas
Einige Leserinnen und Leser des Blogs chronischLEBEN haben sich bei mir erkundigt, warum ich zurzeit ein wenig auf die "Produktivitätsbremse" trete. Gefragt werde ich auch immer wieder, wie ich, ein mittelprächtig an Parkinson Erkrankter, überhaupt als Hauptverantwortlicher (mit wenigen Mit-Autoren) die tagtägliche Arbeit an dem relativ umfangreichen und anspruchsvollen Projekt leiste.
Nun, wie man sieht, leiste ich sie nicht, oder richtiger: nicht immer.

Das Zauberwort bei der Suche nach einer Erklärung lautet übrigens: Leistung. Ich denke nämlich gar nicht daran, hier - oder sonstwo in meinem jetzigen Leben - etwas zu "leisten". Ich kann und muss mir und meinem Umfeld das nicht mehr antun. Ich "leiste" mir selbst allerdings das, was sich Menschen im berühmten "Erwerbsleben" kaum leisten können: Ich arbeite so, wie Arbeit eigentlich sein sollte: mit großem Vergnügen.

Wie viele andere Menschen, die jahrzehntelang mit festgeschweißtem Bleifuss im Beruf und privat auf der Überholspur des Lebens jedes vernünftige Limit eisern missachtet haben, bin ich heute irgendwie dankbar dafür, dass eine Krankheit mir diesen Irrsinns-Highway gesperrt hat.

Unmissverständlich.

Bei anderen war es der Herzinfarkt oder ein Schlaganfall. Bei mir der Parkinson.

   Parkinson ist nicht "das Beste", was mir passiert ist - hilft mir aber manchmal   

Ich halte es fur vermessen ind dumm zu behaupten, Parkinson wäre so etwas wie das Beste, was mir passieren konnte". Aber diese Krankheit ist mir passiert. Sie ist ein Teil meines Lebens geworden. Nicht mehr und nicht weniger.

Gut daran ist lediglich die klare Grenze, die mir die Krankheit aufzeigt und - wenn ich bockig bin - aufzwingt.

Das ist auch schon die Antwort auf die teilnehmenden und zum Teil besorgten Fragen lieber Menschen nach meinem Befinden. Ich hatte in den vergangenen Wochen ein wenig "gesündigt" und wohl zu viel gearbeitet. Der Parkinson antwortet darauf klar und unüberhörbar - mit Erschöpfung.

Meine Prioritäten (und damit die Konsequenzen) sind ebenso klar. An erster Stelle stehen bei mir die angenehmen und schönen Seiten des Lebens, das Miteinander mit meiner Familie, vor allem mit meiner Frau. Nicht verzichtbar ist ebenfalls ein Mindestmaß an Aktivitäten, die die Krankheit so gut und so lange wie möglich im Zaum halten - vor allem regelmäßige Spaziergänge am Rollator und demnächst auch wieder auf dem Fahrrad.

Und dann sind da noch die Ruhe- und Erholungsphasen - vom Schlaf Nachholen tagsüber bis hin zum genüsslichen Faulenzen.

Dieses Krafttanken in der Ruhe nimmt zurzeit wieder einen größeren Teil meiner Zeit in Anspruch. Darüber hinaus bin ich noch eine Zeitlang damit beschäftigt, eine weitere Erkrankung diagnostisch genauer einzugrenzen und dann therapeutisch bestmöglich einstellen zu lassen.

Das alles bedeutet aber nicht, dass die Arbeit am Blog chronischLEBEN nicht mehr stattfindet. Es geht natürlich weiter - nur eben mit gemäßigterem Aufwand in der nächsten Zeit.

   Wenn der Handwerker mit Wasser kocht ...   

Die (nicht immer "wohlwollenden") Fragen, wie das zu schaffen ist, ohne in den ungesunden Leistungs-Stress zu verfallen, will ich auch gern beantworten. Ich könnte nicht mehr stundenlang am Schreibtisch vor dem Computer sitzen und mich konzentrieren. Da geht es mir wie den meisten Parkinsonkranken.

Auf die "Gefahr" hin, dass es das Bild des unermüdlich recherchierenden, messerscharf analysierenden und total vergeistigt formulierenden Journalisten von Welt ein für alle mal zerdeppert: Ich war, bin und bleibe ein solider Handwerker in Sachen Journalismus und koche mit Wasser. Ich bin ein stinknormaler Journalist wie ich auch ein stinknormaler chronisch Kranker bin.


Wichtige Arbeitsutensilien des Bloggers: En bisschen L-Dopa, Kaffee

zum Wachbleiben, Süßes als Nervenfutter - und natürlich die 
"Mini-Schreibmaschine"
Meine Arbeitstechnik ist ganz simpel:

Ich nutze kurze Phasen geistiger wie körperlicher Wachheit und arbeite jeweils da und dann, wo ich gerade bin. Meist ist das mein Lieblingssofa zu Hause, wo ich mit Notebook und iPod ideales journalistisches Handwerkszeugs griffbereit habe.

Damit kann ich optimal recherchieren und Gedanken entwickeln und sortieren. Schreiben und veröffentlichen natürlich auch.

Der kleine iPod touch - auf die Gefahr hin, Schleichwerbung zu machen - ist übrigend trotz Tremor das wichtigste Utensil. Darauf schreibe ich auch auf der Bank im Park, im Wartezimmer bei Ärzten oder bei meinerPhysiotherapeutin (die es schon kennt, wenn ich murmele "Augenblick, diesen Satz noch zu Ende bringen", wenn sie mich aufruft) und nachts, wenn ich mal wieder nicht schlafen kann. (Den Tremor überliste ich dabei meist erfolgreich, indem ich die Hand auf meinem Bauch abstütze - der Zeigefinger gibt meist Ruhe).

Das, was nach fleisskartenträchtigem,stundenlangem konzentrierten Arbeiten aussieht (hoffentlich), ist in Wirklichkeit lediglich ein Puzzle von vielen kurzen konzentrierten Momenten oder Minuten.

Ausgesprochen stressarme Grüße

Ihr Norbert Jos Maas euer Jos

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